Alle stehn um dich herum:

Fotograf und Mutti

und ein Kasten, schwarz und stumm,

Felix, Tante Putti...

 

Sie wackeln mit dem Schlüsselbund,

fröhlich quietscht ein Gummihund.

"Baby, lach mal!" ruft Mama.

"Guck", ruft Tante, "eiala!"

 

Aber du, mein kleiner Mann,

siehst dir die Gesellschaft an...

Na, und dann - was meinste?

Weinste.

 

Später stehn um dich herum

Vaterland und Fahnen;

Kirche, Ministerium,

Welsche und Germanen.

 

Jeder stiert nur unverwandt

auf das eigne kleine Land.

Jeder kräht auf seinem Mist,

weiß genau, was Wahrheit ist.

 

Aber du, mein guter Mann,

siehst dir die Gesellschaft an...

Na, und dann - was machste?

Lachste.


Das Gedicht "An das Baby" stammt von   (1890 - 1935).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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