Siebzig Jahre ist das nun her.

Siebzig Jahre wiegen so schwer.

Schwarz-rot-goldene Fahnen flatterten,

Vater Wrangels Musketen knatterten -

Wofür?

 

Wie glühten die Herzen! wie glühten die Köpfe!

Kampf! Kampf gegen die Bürgertröpfe,

gegen die nickenden Zipfelmützen -

Klatschen in trübe Fürstenpfützen -

Und dann?

 

Der große Sieg in den siebziger Jahren

ist uns verdammt in die Krone gefahren.

Die Krone gleißte. Die Bürger krochen.

Die treusten deutschen Herzen pochen

im Proletariat.

 

Und dann? Die versprochenen herrlichen Zeiten!

Und dann? Wir wollen gen Frankreich reiten!

Und dann? Wir kämpfen gegen zwei Welten,

Herz und Hirn haben den Deubel zu gelten -

Jetzt sitzt er in Holland.

 

Wofür, mein Gott, hat die Freiheit geblutet?

Wofür wurden Männer und Mädchen geknutet?

Spartakus! Deutsche! So öffnet die Augen!

Sie warten, euch Blut aus den Adern zu saugen -

Der Feind steht rechts!

 

Zerfleischt euch nicht das eigene Herz!

Denkt an die Barrikaden im März -!

Wir litten so viel.

Wollen wir nicht endlich Weltbürger werden?

Wir haben nur einen Feind auf Erden:

den deutschen Schlemihl!


Das Gedicht "Achtundvierzig" stammt von   (1890 - 1935).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte