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Wandersprüche


1

 

Es geht wohl anders, als du meinst:

Derweil du rot und fröhlich scheinst,

Ist Lenz und Sonnenschein verflogen,

Die liebe Gegend schwarz umzogen;

Und kaum hast du dich ausgeweint,

Lacht alles wieder, die Sonne scheint -

Es geht wohl anders, als man meint.

 

 

2

 

Herz, in deinen sonnenhellen

Tagen halt nicht karg zurück!

Allwärts fröhliche Gesellen

Trifft der Frohe und sein Glück.

 

Sinkt der Stern: alleine wandern

Magst du bis ans End der Welt -

Bau du nur auf keinen andern

Als auf Gott, der Treue hält.

 

 

3

 

Was willst auf dieser Station

So breit dich niederlassen?

Wie bald nicht bläst der Postillon,

Du mußt doch alles lassen.

 

 

4

 

Die Lerche grüßt den ersten Strahl,

Daß er die Brust ihr zünde,

Wenn träge Nacht noch überall

Durchschleicht die tiefen Gründe.

 

Und du willst, Menschenkind, der Zeit

Verzagend unterliegen?

Was ist dein kleines Erdenleid?

Du mußt es überfliegen!

 

 

5

 

Der Sturm geht lärmend um das Haus,

Ich bin kein Narr und geh hinaus,

Aber bin ich eben draußen,

Will ich mich wacker mit ihm zausen.

 

 

6

 

Ewig muntres Spiel der Wogen!

Viele hast du schon belogen,

Mancher kehrt nicht mehr zurück.

Und doch weckt das Wellenschlagen

Immer wieder frisches Wagen,

Falsch und lustig wie das Glück.

 

 

7

 

Der Wandrer, von der Heimat weit,

Wenn rings die Gründe schweigen,

Der Schiffer in Meeres Einsamkeit,

Wenn die Stern aus den Fluten steigen:

 

Die beide schauern und lesen

In stiller Nacht,

Was sie nicht gedacht,

Da es noch fröhlicher Tag gewesen.



(* 10.03.1788, † 26.11.1857)




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