Ich rufe vom Ufer

Verlorenes Glück,

Die Ruder nur schallen

Zum Strande zurück.

 

Vom Strande, lieb′ Mutter,

Wo der Wellenschlag geht,

Da fahren die Schiffe,

Mein Liebster drauf steht.

Je mehr ich sie rufe,

Je schneller der Lauf,

Wenn ein Hauch sie entführet,

Wer hielte sie auf?

Der Hauch meiner Klagen

Die Segel nur schwillt,

Je mehr mein Verlangen

Zurücke sie hält!

Verhielt′ ich die Klagen:

Es löst′ sie der Schmerz,

Und Klagen und Schweigen

Zersprengt mir das Herz.

 

Ich rufe vom Ufer

Verlorenes Glück,

Die Ruder nur schallen

Zum Strande zurück.

 

So flüchtige Schlösser,

Wer könnt′ ihn′n vertrau′n

Und Liebe, die bliebe,

Mit Freuden d′rauf bau′n?

Wie Vögel im Fluge,

Wo ruhen sie aus?

So eilige Wand′rer,

Sie finden kein Haus,

Zertrümmern der Wogen

Grünen Kristall,

Und was sie berühren,

Verwandelt sich all.

Es wandeln die Wellen

Und wandelt der Wind,

Meine Schmerzen im Herzen

Beständig nur sind.

 

Ich rufe vom Ufer

Verlorenes Glück,

Die Ruder nur schallen

Zum Strande zurück.


Das Gedicht "Vom Strande" stammt von (* 1788-03-10, † 1857-11-26).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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