O Maria, meine Liebe!

Denk ich recht im Herzen Dein:

Schwindet alles Schwer und Trübe,

Und, wie heller Morgenschein,

Dringts durch Lust und irdschen Schmerz

Leuchtend mir durchs ganze Herz.

 

Auf des ewgen Bundes Bogen,

Ernst von Glorien umblüht,

Stehst du über Land und Wogen;

Und ein himmlisch Sehnen zieht

Alles Leben himmelwärts

An das große Mutterherz.

 

Wo Verlaßne einsam weinen,

Sorgenvoll in stiller Nacht,

Den′ vor allen läßt Du scheinen

Deiner Liebe milde Pracht,

Daß ein tröstend Himmelslicht

In die dunklen Herzen bricht.

 

Aber wütet wildverkehrter

Sünder frevelhafte Lust:

Da durchschneiden neue Schwerter

Dir die treue Mutterbrust;

Und voll Schmerzen flehst Du doch:

Herr! Vergib, o schone noch!

 

Deinen Jesus in den Armen,

Übern Strom der Zeit gestellt,

Als das himmlische Erbarmen

Hütest Du getreu die Welt,

Daß im Sturm, der trübe weht,

Dir kein Kind verloren geht.

 

Wenn die Menschen mich verlassen

In der letzten stillen Stund,

Laß mich fest das Kreuz umfassen.

Aus dem dunklen Erdengrund

Leite liebreich mich hinaus,

Mutter, in des Vaters Haus!


Das Gedicht "Kirchenlied" stammt von (* 1788-03-10, † 1857-11-26).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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