Ihr habt den Vogel gefangen,

Der war so frank und frei,

Nun ist ihms Fliegen vergangen,

Der Sommer ist lange vorbei.

 

Es liegen wohl Federn neben

Und unter und über mir,

Sie können mich alle nicht heben

Aus diesem Meer von Papier.

 

Papier! wie hör ich dich schreien,

Da alles die Federn schwenkt

In langen, emsigen Reihen -

So wird der Staat nun gelenkt.

 

Mein Fenster am Pulte steht offen,

Der Sonnenschein schweift übers Dach,

Da wird so uraltes Hoffen

Und Wünschen im Herzen wach.

 

Die lustigen Kameraden,

Lerchen, Quellen und Wald,

Sie rauschen schon wieder und laden:

Geselle, kommst du nicht bald?

 

Und wie ich durch die Gardinen

Hinaussah in keckem Mut,

Da hört ich Lachen im Grünen,

Ich kannte das Stimmlein recht gut.

 

Und wie ich hinaustrat zur Schwelle,

Da blühten die Bäume schon all

Ein Liebchen, so frühlingshelle,

Saß drunter beim Vogelschall.

 

Und eh wir uns beide besannen,

Da wiehert′ das Flügelroß -

Wir flogen selbander von dannen,

Daß es unten die Schreiber verdroß.


Das Gedicht "Der Unverbesserliche" stammt von (* 1788-03-10, † 1857-11-26).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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