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Der Umkehrende


1.

 

Du sollst mich doch nicht fangen,

Duftschwüle Zaubernacht!

Es stehn mit goldnem Prangen

Die Stern auf stiller Wacht,

Und machen überm Grunde,

Wo du verirret bist,

Getreu die alte Runde -

Gelobt sei Jesus Christ!

 

Wie bald in allen Bäumen

Geht nun die Morgenluft,

Sie schütteln sich in Träumen,

Und durch den roten Duft

Eine fromme Lerche steiget,

Wenn alles still noch ist,

Den rechten Weg dir zeiget -

Gelobt sei Jesus Christ!

 

2.

 

Hier bin ich, Herr! Gegrüßt das Licht,

Das durch die stille Schwüle

Der müden Brust gewaltig bricht

Mit seiner strengen Kühle.

Nun bin ich frei! Ich taumle noch

Und kann mich noch nicht fassen -

O Vater, du erkennst mich doch,

Und wirst nicht von mir lassen!

 

3.

 

Was ich wollte, liegt zerschlagen,

Herr, ich lasse ja das Klagen,

Und das Herz ist still.

Nun aber gib auch Kraft, zu tragen,

Was ich nicht will!

 

4.

 

Es wandelt, was wir schauen,

Tag sinkt ins Abendrot,

Die Lust hat eignes Grauen,

Und alles hat den Tod.

 

Ins Leben schleicht das Leiden

Sich heimlich wie ein Dieb,

Wir alle müssen scheiden

Von allem, was uns lieb.

 

Was gäb es doch auf Erden,

Wer hielt′ den Jammer aus,

Wer möcht geboren werden,

Hieltst du nicht droben Haus!

 

Du bist′s, der, was wir bauen,

Mild über uns zerbricht,

Daß wir den Himmel schauen -

Darum so klag ich nicht.

 

5.

 

Waldeinsamkeit!

Du grünes Revier,

Wie liegt so weit

Die Welt von hier!

Schlaf nur, wie bald

Kommt der Abend schön,

Durch den stillen Wald

Die Quellen gehn,

Die Mutter Gottes wacht,

Mit ihrem Sternenkleid

Bedeckt sie dich sacht

In der Waldeinsamkeit,

Gute Nacht, gute Nacht! -



(* 10.03.1788, † 26.11.1857)




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