Wenn die Schokolade keimt,

Wenn nach langem Druck bei Dichterlingen

"Glockenklingen" sich auf "Lenzesschwingen"

Endlich reimt,

Und der Osterhase hinten auch schon preßt,

Dann kommt bald das Osterfest.

 

Und wenn wirklich dann mit Glockenklingen

Ostern naht auf Lenzesschwingen, - - -

Dann mit jenen Dichterlingen

Und mit deren jugendlichen Bräuten

Draußen schwelgen mit berauschten Händen - - -

Ach, das denk ich mir entsetzlich,

Außerdem - - unter Umständen -

Ungesetzlich.

 

Aber morgens auf dem Frühstückstische

Fünf, sechs, sieben flaumweich gelbe, frische

Eier. Und dann ganz hineingekniet!

Ha! Da spürt man, wie die Frühlingswärme

Durch geheime Gänge und Gedärme

In die Zukunft zieht,

Und wie dankbar wir für solchen Segen

Sein müssen.

 

Ach, ich könnte alle Hennen küssen,

Die so langgezogene Kugeln legen.


Das Gedicht "Ostern" stammt von   (1883 - 1934).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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