Im Wald, unter hohen Buchen versteckt,

hat sich ein Tannenbäumchen gereckt.

”Ich steh so ganz im Dunkel hier,

keine Sonne, kein Sternlein kommt zu mir,

hört nur die anderen davon sagen,

ich darf mich nicht vom Platze wagen.

Ach, ist das eine traurige Geschicht′,

und ständ so gern auch mal im Licht!”

 

Hoch durch den weiten Weltenraum

verloren flog ein goldner Traum,

flog hin und her im Lichtgefieder

und dacht: Wo laß ich heut mich nieder?

Ist wo ein Hüttchen dunkel und arm?

Hat wo ein Seelchen Kummer und Harm,

dem ich auf meinen leuchtenden Schwingen

könnt heute eine Freude bringen? –

 

Das Bäumchen steht in Licht und Schein.

Wie mag das wohl gekommen sein?


Das Gedicht "Das Tannenbäumchen" stammt von   (1856 - 1929).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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