O Frühling, holder fahrender Schüler,

Wo zogst du hin? Die Linden blühn,

Die Nächte werden stiller, schwüler,

Und dichter schwillt das dunkle Grün.

 

Doch ach! die schönen Stunden fehlen,

Wo jedes Leben überquoll,

Wo trunken alle Schöpfungsseelen

Ins Blaue schwärmten wollustvoll.

 

Nicht singt mehr, wie am Maienfeste,

Die Nachtigall, die Rosenbraut;

Sie fliegt zum tiefverborgnen Neste

Mit mütterlich besorgtem Laut.

 

Der goldne längste Tag ist nieder,

Der Himmel voll Gewitter glüht;

Verklungen sind die ersten Lieder,

Die schönsten Blumen sind verblüht.


Das Gedicht "Hochsommer" stammt von   (1820 - 1905).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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