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Mimi


"Bin kein sittsam Bürgerkätzchen,

Nicht im frommen Stübchen spinn ich.

Auf dem Dach in freier Luft,

Eine freie Katze bin ich.

 

Wenn ich sommernächtlich schwärme,

Auf dem Dache, in der Kühle

Schnurrt und knurrt in mir Musik,

Und ich singe, was ich fühle."

 

Also spricht sie. Aus dem Busen

Wilde Brautgesänge quellen,

Und der Wohllaut lockt herbei

Alle Katerjunggesellen.

 

Alle Katerjunggesellen,

Schnurrend, knurrend, alle kommen,

Mit Mimi zu musizieren,

Liebelechzend, lustentglommen...

 

Brauchen keine Instrumente,

Sie sind selber Bratsch und Flöte;

Eine Pauke ist ihr Bauch,

Ihre Nasen sind Trompeten.

 

Sie erheben ihre Stimmen

Zum Konzert gemeinsam jetzo;

Das sind Fugen, wie von Bach

Oder Guido von Arezzo.

 

Das sind tolle Symphonien,

Wie Capricen von Beethoven

Oder Berlioz, der wird

Schnurrend, knurrend übertroffen.

 

Wunderbare Macht der Töne!

Zaubertöne sondergleichen!

Sie erschüttern selbst den Himmel,

Und die Sterne dort erbleichen...

 

Nur das Lästermaul, die alte

Primadonna Philomele,

Rümpft die Nase, schnupft und schmäht

Mimis Singen - kalte Seele!

 

Doch gleichviel! das musizieret,

Trotz dem Neide der Signora,

Bis am Horizont erscheint

Rosig lächelnd Fee Aurora.


Heinrich Heine
(* 13.12.1797, † 17.02.1856)




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