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Flammen


"Wollen sie ihr nicht vorgestellt sein?"

flüsterte mir die Herzogin.-

"Beileibe nicht, ich müßt ein Held sein

ihr Anblick schon wirrt mir den Sinn."

 

Das schöne Weib macht mich erbeben!

Es ahnet mit, in ihrer Näh

beginnt für mich ein neues Leben,

mit neuer Lust, mit neuem Weh.

 

Es hält wie Angst mich von ihr ferne,

es treibt mich Sehnsucht hin zu ihr!

Wie meine Schicksals wilden Sterne

erscheinen diese Augen mir.

 

Die Stirn ist klar. Doch es gewittert

dahinter schon der künftge Blitz,

der künftge Sturm, der mich erschüttert

bis in der Seele tiefsten Sitz.

 

Der Mund ist fromm. Doch mit Entsetzen

unter den Rosen seh ich schon

die Schlangen, die mich einst verletzen

mit falschem Kuss, mit süßem Hohn.

 

Die Sehnsucht treibt. - Ich muss mich näh`ren

dem holden, unheilschwangern Ort -

schon kann ich ihre Stimme hören -

klingende Flammen ist ihr Wort.

 

Sie fragt: "Monsieur, wie ist der Name

der Sängerin, die eben sang?"

Stotternd antworte ich der Dame:

"Hab nichts gehört von dem Gesang."


Heinrich Heine
(* 13.12.1797, † 17.02.1856)




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