Nach oben

Die weisse Blume


In Vaters Garten heimlich steht

Ein Blümchen traurig und bleich;

Der Winter zieht fort, der Frühling weht,

Bleich Blümchen bleibt immer so bleich.

Die bleiche Blume schaut

Wie eine kranke Braut.

 

Zu mir bleich Blümchen leise spricht:

Lieb Brüderchen, pflücke mich!

Zu Blümchen sprech ich: Das tu ich nicht,

Ich pflücke nimmermehr dich;

Ich such mit Müh und Not,

Die Blume purpurrot.

 

Bleich Blümchen spricht: Such hin, such her,

Bis an deinen kühlen Tod,

Du suchst umsonst, findst nimmermehr

Die Blume purpurrot;

Mich aber pflücken tu,

Ich bin so krank wie du.

 

So lispelt bleich Blümchen, und bittet sehr -

Da zag ich, und pflück es schnell.

Und plötzlich blutet mein Herz nicht mehr,

Mein innres Auge wird hell.

In meine wunde Brust

Kommt stille Engellust.



(* 13.12.1797, † 17.02.1856)




Bewertung:
5/5 bei 1 Stimmen

Kommentare

  • Noch kein Kommetar vorhanden!