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Der Schiffbrüchige


Hoffnung und Liebe! Alles zertrümmert!

Und ich selber, gleich einer Leiche,

Die grollend ausgeworfen das Meer,

Lieg ich am Strande,

Am öden, kahlen Strande.

Vor mir woget die Wasserwüste,

Hinter mir liegt nur Kummer und Elend,

Und über mich hin ziehen die Wolken,

Die formlos grauen Töchter der Luft,

Die aus dem Meer, in Nebeleimern,

Das Wasser schöpfen,

Und es mühsam schleppen und schleppen,

Und es wieder verschütten ins Meer,

Ein trübes, langweil′ges Geschäft,

Und nutzlos, wie mein eignes Leben.

|Die Wogen murmeln, die Möwen schrillen,

Alte Erinnrungen wehen mich an,

Vergessene Träume, erloschene Bilder,

Qualvoll süße, tauchen hervor.

 

Es lebt ein Weib im Norden,

Ein schönes Weib, königlich schön.

Die schlanke Zypressengestalt

 

Umschließt ein lüstern weißes Gewand;

Die dunkle Lockenfülle,

Wie eine selige Nacht,

Von dem flechtengekrönten Haupt sich ergießend,

Ringelt sich träumerisch süß

Um das süße, blasse Antlitz;

Und aus dem süßen, blassen Antlitz,

Groß und gewaltig, strahlt ein Auge,

Wie eine schwarze Sonne.

 

Oh, du schwarze Sonne, wie oft,

Entzückend oft, trank ich aus dir

Die wilden Begeistrungsflammen,

Und stand und taumelte, feuerberauscht –

Dann schwebte ein taubenmildes Lächeln

Um die hochgeschürzten, stolzen Lippen,

Und die hochgeschürzten, stolzen Lippen

Hauchten Worte, süß wie Mondlicht,

Und zart wie der Duft der Rose –

Und meine Seele erhob sich

Und flog, wie ein Aar, hinauf in den Himmel!

 

Schweigt, ihr Wogen und Möwen!

Vorüber ist alles, Glück und Hoffnung,

Hoffnung und Liebe! Ich liege am Boden.

Ein öder, schiffbrüchiger Mann,

Und drücke mein glühendes Antlitz

 

In den feuchten Sand.



(* 13.12.1797, † 17.02.1856)




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