Wovon bin ich nur aufgewacht?

Mein Kind, es fielen Blüten zur Nacht!

 

Wer flüstert so traurig, als wie im Traum?

Mein Kind, der Frühling geht durch den Raum.

 

o sieh! Sein Gesicht wie tränenbleich!

Mein Kind, er blühte wohl allzu reich.

 

Wie brennt mein Mund! Warum weine ich?

Mein Kind, ich küsse mein Leben in dich!

 

Wer fasst mich so hart, wer beugt sich zu mir?

Mein Kind, ich falte die Hände dir.

 

Wo geh′ ich nur hin? Ich träumte so schön!

Mein Kind, wir wollen in den Himmel gehn.

 

Wie gut, wie gut! Wer lächelt so leis′?

Da wurden ihre Augen weiß -

 

Da löschten alle Lichter aus

Und tiefe Nacht durchwehte das Haus.


Das Gedicht "Melusine" stammt von (* 1887-02-03, † 1914-11-03).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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