1

 

Vollkommen ist die Stille dieses goldenen Tags.

Unter alten Eichen

Erscheinst du, Elis, ein Ruhender mit runden Augen.

 

Ihre Bläue spiegelt den Schlummer der Liebenden.

An deinem Mund

Verstummten ihre rosigen Seufzer.

 

Am Abend zog der Fischer die schweren Netze ein.

Ein guter Hirt

Führt seine Herde am Waldsaum hin.

O! wie gerecht sind, Elis, alle deine Tage.

 

Leise sinkt

An kahlen Mauern des Ölbaums blaue Stille,

Erstirbt eines Greisen dunkler Gesang.

 

Ein goldener Kahn

Schaukelt, Elis, dein Herz am einsamen Himmel.

 

 

2

 

Ein sanftes Glockenspiel tönt in Elis′ Brust -.

Am Abend,

Da sein Haupt ins schwarze Kissen sinkt.

 

Ein blaues Wild

Blutet leise im Dornengestrüpp.

 

Ein brauner Baum steht abgeschieden da;

Seine blauen Früchte fielen von ihm.

 

Zeichen und Sterne

Versinken leise im Abendweiher.

 

Hinter dem Hügel ist es Winter geworden.

 

Blaue Tauben Trinken nachts den eisigen Schweiß,

Der von Elis′ kristallener Stirne rinnt.

 

Immer tönt

An schwarzen Mauern Gottes einsamer Wind.

 


Das Gedicht "Elis" stammt von (* 1887-02-03, † 1914-11-03).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte