Auf dunklen Bänken sitzen sie gedrängt

Und heben die erloschnen Blicke auf

Zum Kreuz. Die Lichter schimmern wie verhängt,

Und trüb und wie verhängt das Wundenhaupt.

Der Weihrauch steigt aus güldenem Gefäß

Zur Höhe auf, hinsterbender Gesang

Verhaucht, und ungewiß und süß verdämmert

Wie heimgesucht der Raum. Der Priester schreitet

Vor den Altar; doch übt mit müdem Geist er

Die frommen Bräuche - ein jämmerlicher Spieler,

Vor schlechten Betern mit erstarrten Herzen,

In seelenlosem Spiel mit Brot und Wein.

Die Glocke klingt! Die Lichter flackern trüber -

Und bleicher, wie verhängt das Wundenhaupt!

Die Orgel rauscht! In toten Herzen schauert

Erinnerung auf! Ein blutend Schmerzensantlitz

Hüllt sich in Dunkelheit und die Verzweiflung

Starrt ihm aus vielen Augen nach ins Leere.

Und eine, die wie aller Stimmen klang,

Schluchzt auf - indes das Grauen wuchs im Raum,

Das Todesgrauen wuchs: Erbarme dich unser -

Herr!


Das Gedicht "Die tote Kirche" stammt von (* 1887-02-03, † 1914-11-03).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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