Das wilde Herz ward weiß am Wald;

O dunkle Angst

Des Todes, so das Gold

In grauer Wolke starb.

Novemberabend.

Am kahlen Tor am Schlachthaus stand

Der armen Frauen Schar;

In jeden Korb

Fiel faules Fleisch und Eingeweid;

Verfluchte Kost!

 

Des Abends blaue Taube

Brachte nicht Versöhnung.

Dunkler Trompetenruf

Durchfuhr der Ulmen

Nasses Goldlaub,

Eine zerfetzte Fahne

Vom Blute rauchend,

Daß in wilder Schwermut

Hinlauscht ein Mann.

O! ihr ehernen Zeiten

Begraben dort im Abendrot.

 

Aus dunklem Hausflur trat

Die goldne Gestalt

Der Jünglingin

Umgeben von bleichen Monden,

Herbstlicher Hofstaat,

Zerknickten schwarze Tannen

Im Nachtsturm,

Die steile Festung.

O Herz

Hinüberschimmernd in schneeige Kühle.


Das Gedicht "Das Herz" stammt von (* 1887-02-03, † 1914-11-03).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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