Erinnerung: Möven, gleitend über den dunklen Himmel

Männlicher Schwermut.

Stille wohnst du im Schatten der herbstlichen Esche,

Versunken in des Hügels gerechtes Maß;

 

Immer gehst du den grünen Fluß hinab,

Wenn es Abend geworden,

Tönende Liebe; friedlich begegnet das dunkle Wild,

 

Ein rosiger Mensch. Trunken von bläulicher Witterung

Rührt die Stirne das sterbende Laub

Und denkt das ernste Antlitz der Mutter;

O, wie alles ins Dunkel hinsinkt;

 

Die gestrengen Zimmer und das alte Gerät

Der Väter.

Dieses erschüttert die Brust des Fremdlings.

O, ihr Zeichen und Sterne.

 

Groß ist die Schuld des Geborenen. Weh, ihr goldenen Schauer

Des Todes,

Da die Seele kühlere Blüten träumt.

 

Immer schreit im kahlen Gezweig der nächtliche Vogel

Über des Mondenen Schritt,

Tönt ein eisiger Wind an den Mauern des Dorfs.


Das Gedicht "Anif" stammt von (* 1887-02-03, † 1914-11-03).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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