Mit den fahrenden Schiffen

Sind wir vorübergeschweift,

Die wir ewig herunter

Durch glänzende Winter gestreift.

Ferner kamen wir immer

Und tanzten im insligen Meer,

Weit ging die Flut uns vorbei,

Und Himmel war schallend und leer.

 

Sage die Stadt,

Wo ich nicht saß im Tor,

Ging dein Fuß da hindurch,

Der die Locke ich schor?

Unter dem sterbenden Abend

Das suchende Licht

Hielt ich, wer kam da hinab,

Ach, ewig in fremdes Gesicht.

 

Bei den Toten ich rief,

Im abgeschiedenen Ort,

Wo die Begrabenen wohnen;

Du, ach, warest nicht dort.

Und ich ging über Feld,

Und die wehenden Bäume zu Haupt

Standen im frierenden Himmel

Und waren im Winter entlaubt.

 

Raben und Krähen

Habe ich ausgesandt,

Und sie stoben im Grauen

Über das ziehende Land.

Aber sie fielen wie Steine

Zur Nacht mit traurigem Laut

Und hielten im eisernen Schnabel

Die Kränze von Stroh und Kraut.

 

Manchmal ist deine Stimme,

Die im Winde verstreicht,

Deine Hand, die im Traume

Rühret die Schläfe mir leicht;

Alles war schon vorzeiten.

Und kehret wieder sich um.

Gehet in Trauer gehüllet,

Streuet Asche herum.


Das Gedicht "Mit den fahrenden Schiffen..." stammt von   (1887 - 1912).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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