Versunken ist der Tag in Purpurrot,

Der Strom schwimmt weiß in ungeheurer Glätte.

Ein Segel kommt. Es hebt sich aus dem Boot

Am Steuer groß des Schiffers Silhouette.

 

Auf allen Inseln steigt des Herbstes Wald

Mit roten Häuptern in den Raum, den klaren.

Und aus der Schluchten dunkler Tiefe hallt

Der Waldung Ton, wie Rauschen der Kitharen.

 

Das Dunkel ist im Osten ausgegossen,

Wie blauer Wein kommt aus gestürzter Urne.

Und ferne steht, vom Mantel schwarz umflossen,

Die hohe Nacht auf schattigem Kothurne.


Das Gedicht "Der Abend" stammt von   (1887 - 1912).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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