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Chloris


In jenem zarten Alter,

Als ich mit meinem Schäfchen

Mich noch zu messen pflegte

Und älter war, doch kleiner,

Als mein getreues Schäfchen,

Da folgt ich schon der Chloris,

Wie mir mein treues Schäfchen.

Auch schon in jenen Zeiten

War sie in meinen Augen

Mehr als ein sterblich Mädchen,

Und ist noch eine Göttin,

Und mir die schönste Göttin,

Die jemals sichtbar worden.

Einst sagt′ ich ihr: ich liebe;

Ich liebe dich, o Chloris.

Dies war des Herzens Sprache,

Dies sagten meine Seufzer;

Die kindisch blöde Zunge

Ließ Herz und Seufzer reden

Und fand sich keine Worte.

Doch mich verstand die Schöne

Und schenkte mir ein Mäulchen,

Ein unvergeßlich Mäulchen.

Und sprach zu mir: Du Kleiner,

Du kennst noch nicht die Liebe.

Seitdem entbrannte Chloris,

Jedoch für andre Schäfer.

Seitdem fing mancher Schäfer

Aus Chloris Augen Feuer.

Seitdem kam ich ins Alter,

In dem wir Menschen lieben,

Wie unsre Väter liebten.

Es reiften meine Jahre,

Es gab mir jeder Frühling

Mehr Zärtlichkeit und Wünsche.

 

Noch jetzt verehr′ ich Chloris;

Mir aber ist sie spröde

Und wünscht nicht zu erfahren,

Ob ich die Liebe kenne;

Und jener süßen Stunde

Und ihres kleinen Schäfers

Und ihres holden Kusses

Vergißt die stolze Schöne.

Nur ich kann ihrer Lippen,

Die sie mir lächelnd reichte,

Nur ich kann ihres Kusses

Und ihrer nicht vergessen.



(* 23.04.1708, † 28.10.1754)




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