Durch Zäune trennt man Herden auf der Weide,

Nach Grenzen, die durch Herrschermacht sich ändern,

Nach Ursprung, Sitten, Sprachen und Gewändern

Zieht man der Menschheit bunte Völkerscheide.

 

Doch Gott will nicht, daß Volk und Volk sich meide:

Das Meer bis zu des Erdballs fernsten Rändern

Wogt als Vermittler zwischen allen Ländern,

Es trennt zwei Welten und vereinigt beide.

 

Allein der Vorurtheile tiefe Kluft

Trennt Volk von Volk. Wie Gras auf beiden Seiten

Wuchert die Thorheit, die das Fremde meidet.

 

Doch hohe Bäume ragen durch die Luft,

Die Zweig′ und Krone sich entgegenbreiten

Der Kluft nicht achtend, die die Wurzeln scheidet.


Das Gedicht "Völkerhaß" stammt von   (1819 - 1892).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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