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Der Mensch [1]


Kaum sproßten aus den Wassern, o Erde, dir

Der jungen Berge Gipfel und dufteten

Lustatmend, immergrüner Haine

Voll, in des Ozeans grauer Wildnis

 

Die ersten holden Inseln; und freudig sah

Des Sonnengottes Auge die Neulinge,

Die Pflanzen, seiner ewgen Jugend

Lächelnde Kinder, aus dir geboren.

 

Da auf der Inseln schönster, wo immerhin

Den Hain in zarter Ruhe die Luft umfloß,

Lag unter Trauben einst, nach lauer

Nacht, in der dämmernden Morgenstunde

 

Geboren, Mutter Erde! dein schönstes Kind;-

Und auf zum Vater Helios sieht bekannt

Der Knab, und wacht und wählt, die süßen

Beere versuchend, die heilge Rebe

 

Zur Amme sich; und bald ist er groß; ihn scheun

Die Tiere, denn ein anderer ist, wie sie,

Der Mensch; nicht dir und nicht dem Vater

Gleicht er, denn kühn ist in ihm und einzig

 

Des Vaters hohe Seele mit deiner Lust,

O Erd ! und deiner Trauer von je vereint;

Der Göttermutter, der Natur, der

Allesumfassenden möchte er gleichen!

 

Ach ! darum treibt ihn, Erde! vom Herzen dir

Sein Übermut, und deine Geschenke sind

Umsonst und deine zarten Bande;

Sucht er ein Besseres doch, der Wilde!

 

Von seines Ufers duftender Wiese muß

Ins blütenlose Wasser hinaus der Mensch,

Und glänzt auch, wie die Sternenacht, von

Goldenen Früchten sein Hain, doch gräbt er

 

Sich Höhlen in den Bergen und späht im Schacht,

Von seines Vaters heiterem Lichte fern,

Dem Sonnengott auch ungetreu, der

Knechte nicht liebt und der Sorge spottet.

 

Denn freier atmen Vögel des Walds, wenn schon

Des Menschen Brust sich herrlicher hebt, und der

Die dunkle Zukunft sieht, er muß auch

Sehen den Tod, und allein ihn fürchten.

 

Und Waffen wider alle, die atmen trägt

In ewigbangem Stolze der Mensch; im Zwist

Verzehrt er sich und seines Friedens

Blume, die zärtliche, blüht nicht lange.

 

Ist er von allen Lebensgenossen nicht

Der seligste? Doch tiefer und reißender

Ergreift das Schicksal, allausgleichend,

Auch die entzündbare Brunst dem Starken.



(* 20.03.1770, † 07.06.1843)




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