Im Morgenwinde sah ich Blumen wanken

Und sah, wie sie den Tau der goldnen Frühe,

Daß jede voller dufte, tiefer glühe,

Mit heißem Mund begierig in sich tranken.

 

Gesättigt sah ich bald die meisten schwanken,

Als glaubten sie, daß keine nun verblühe,

Die Rosen tranken fort mit süßer Mühe,

Bis ihre Kelche fast zur Erde sanken.

 

Die andern wiegten sich in Lustgefühlen,

Sie wollten eben lauten Spott erheben,

Da schoß die Sonne ihre Flammen-Pfeile.

 

Die Rosen löschten sie im Tau, dem kühlen,

Doch jenen drangen sie in Mark und Leben,

Man sah sie hingewelkt nach kurzer Weile.


Das Gedicht "Ein Bild" stammt von   (1813 - 1863).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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