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Aganippe und Phiala


Wie der Rhein im höheren Thal fern herkomt,

Rauschend, als käm Wald und Felsen mit ihm,

Hochwogig erhebt sich sein Strom,

Wie das Weltmeer die Gestade

 

Mit gehobner Woge bestürmt! Als donnr′ er,

Rauschet der Strom, schäumt, fliegt, stürzt sich herab

Ins Blumengefild′, und im Fall

Wird er Silber, das emporstäubt.

 

So ertönt, so strömt der Gesang; Thuiskon,

Deines Geschlechts. Tief lags, Vater, und lang

In säumendem Schlaf, unerweckt

Von dem Aufschwung und dem Tonfall

 

Des Apollo, wenn, der Hellänen Dichter,

Phöbus Apoll Lorbern, und dem Eurot

Gesänge des höheren Flugs

In dem Lautmaass der Natur sang,

 

Und den Hain sie lehrt′, und den Strom. Weitrauschend

Halltest du′s ihm, Strom, nach, Lorber, und du

Gelinde mit lispelndem Wehn,

Wie der Nachhall des Eurotas.

 

Und Thuiskons Enkel entsprang tiefträumend,

Eiserner Schlaf, dir nicht, eiserner Schlaf!

Dir nicht; und erhabner erscholl

Von den Palmen um Phiala

 

Doch ihm auch Prophetengesang! Kaum stammelnd

Hört′ er ihn schon! Früh sang, selber entflamt,

Die Mutter dem Knaben ihn vor,

Und dem Jüngling, dass er staunte!

 

Mit dem Schilfmeer braust′ er! entscholl Garizim,

Donnert′ am Bach Kison, tönt′ auf der Höh

Moria, dass laut von dem Psalm

Vom Hosanna sie erbebte!

 

An dem Rebenhügel, ergoss die Klage

Sulamiths sich; Wehmuth, über dem Graun

Des Tempels in Trümmern, der Stadt

In der Hülle des Entsetzens!



(* 02.07.1724, † 14.03.1803)




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