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Schwanenlied


Im Mondschein zu singen

 

Steigst du aus der Berge Kluft

Still und hehr empor,

Hüllest Thal und Hain und Luft

Leis′ in Silberflor?

Zeigst mit sanftgebroch′nem Licht

Was dem Blick entschwand,

Hüllst in stilles Dämmerlicht,

Was das Herz empfand?

Ach dein Silberflor verhüllt

Den bethränten Blick,

Und ein mild′res Lebensbild

Strahlt aus ihm zurück.

Was mit rauh-verworr′nem Ton

Mir das Herz zerriß,

Hüllt die duft′ge Fernung schon

Tief in Finsterniß.

Leiser faßt die rauhe Hand

Meines Weh′s mich an.

Und der hehren Hoffnung Land

Glänzt am Ziel der Bahn.

Ward ich d′rum so sehr betrübt,

Weil ich Treu′ geglaubt?

Armes Herz, hast ausgeliebt,

Bist du des Schmucks beraubt!

Fall′, o Blüthenregen hin,

In der Wehmuth Schooß;

Frühlingslust und Flattersinn,

Glücklich Lebensloos

Diese Blüthe sank herab,

Meine Thrän′ hinein -

Treue blüht doch bis ins Grab,

Hellt den Abendschein!

Kaum in Mitte deiner Bahn,

Stehst du schon allein.

Muthig! kühn den Fels hinan,

Dort wird′s besser seyn!

Ach vom Felsen blick′ ich weit

In die Öd′ hinein!

Künft′ge und vergang′ne Zeit

Trägt das Herz herein!

Hülle mich in deine Nacht,

Silberdämm′rung, ein!

Ach des Schmerzens ganze Macht

Dringet auf mich ein.



(* 03.06.1765, † 25.05.1835)




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