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Ich denke dein (2)


Ich denke dein, wenn sich im Blütenregen

Der Frühling malt;

Und wenn des Sommers mild gereifter Seegen

In Ähren strahlt.

Ich denke dein, wenn sich das Weltmeer tönend

Gen Himmel hebt,

Und vor der Wogen Wuth das Ufer stöhnend

Zurücke bebt.

Dein denk′ ich, wenn der junge Tag sich golden

Der See enthebt,

An neugebornen zarten Blumendolden

Der Frühthau schwebt.

Ich denke dein, wenn sich der Abend röthend

Im Hain verliert,

Und Philomelens Klage leise flötend

Die Seele rührt.

Dein denk′ ich, wenn im bunten Blätterkranze

Der Herbst uns grüßt;

Dein, wenn, in seines Schneegewandes Glanze,

Das Jahr sich schließt.

Am Hainquell, ach! im leichten Erlenschatten

Winkt mir dein Bild!

Schnell ist der Wald, schnell sind die Blumenmatten

Mit Glanz erfüllt.

Beim trüben Lampenschein, in bittern Leiden,

Gedacht′ ich dein!

Die bange Seele flehte nah′ am Scheiden:

»Gedenke mein!«

Ich denke dein, bis wehende Zypressen

Mein Grab umziehn;

Und selbst in Lethe′s Strom soll unvergessen

Dein Name blühn!



(* 03.06.1765, † 25.05.1835)




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