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Ich denke dein (1)


Ich denke dein, wenn über Roms Ruinen

Die Sonne sinkt!

Vom Abendroth durch Eichengrün beschienen

Die heil′ge Tiber blinkt!

Dein denk′ ich, wenn der grauen Vorwelt Schauer

Der Hall′ entschwebt!

Des Eppichs Netz an hoher Riesenmauer

Im Mondstrahl silbern bebt!

Wenn in der Pinie ernstem Säulentempel

Mein Aug′ erquickt,

Betrachtung, Tiefsinn, eueren hehren Stempel

Rings um sich her erblickt!

Dort an des Grabes ew′ger Piramide

Warst du mir nah!

Mir nah als ich Orest der Eumenide

Geweiht, voll Wehmuth sah!

Electra′s hoher Sinn, und Weibesmilde

Mich tief durchdrang!

Des Griechen Geist mir aus dem Marmorbilde

Wie Saitenton erklang!

Im Lorbeerwald, wo die Zipresse dunkelt,

Im Mirthenhain

Wenn über mir des Himmels Bogen funkelt

Denkt meine Seele Dein!

Ach dein, wenn über Tod, und Grab, und Erde,

Mein Geist sich schwingt!

Des Schöpfers zweyter Allmachtsruf es werde

Auch meine Gruft durchdringt.

Wenn Nemesis, was strenge du gefodert

Ist abgebüßt -

Und Psyche, der nicht mehr die Fackel lodert,

Vergelterin dich grüßt!



(* 03.06.1765, † 25.05.1835)




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