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Die Gedanken


Am Albanersee

 

Rings von Kühlung sanft umgossen,

Ruhend in des Haines Schooß,

Von der heil′gen Fluth umflossen,

Wieg′ ich mir Gedanken groß;

Töne schweben hin und wieder

In dem leichten Blätterspiel,

Bilder tauchen auf und nieder

Aus der Woge tief und kühl.

In der Grotte leicht umschleiert,

Wo das Brünnlein perlend quillt,

Weilt die Schwermuth still und feiert

Ihrer Sehnsucht holdes Bild!

In des hellen Aethers Räume

Steigt des hehren Berges Haupt,

Und jahrtausendalte Bäume

Halten ihm die Stirn umlaubt.

Tief im grünen Uferkranze

Ruht Albano′s dunkle Fluth,

In der Wolken leichtem Tanze

Schwebt des Abends Purpurgluth;

Schimmer sinken leis′ hernieder

In das tiefgesenkte Blau,

Und auf luftigem Gefieder

Trinkt die Lerche Himmelsthau.

Aus der duftumglänzten Ferne

Ragt Tiburnus′ Haupt empor,

Und es steigen gold′ne Sterne

Aus des Meeres Schooß hervor;

Dort, wo nun das Höchste trauert,

Was die Zeit hervorgebracht,

Sank von Wehmuth trüb umschauert

Phöbos hin in Roma′s Nacht!

Steigen einst die Flammenrosse

Aus Saturnus Burg herauf?

Bändigt mit dem Lichtgeschosse

Er der Zeiten wilden Lauf?

Setzt er seinen Ahnherrn wieder

Auf den alten Segensthron?

Kehrt Asträa siegreich wieder,

Und vertheilet Straf′ und Lohn?

Tönen frohe Hirtenflöten

Wieder durch Evanders Wald?

Schwebt durch stille Abendröthen

Numa′s heilige Gestalt?

An Camilla′s Sarkophage

Trauert noch der Nymphen Lied?

Und ertönt Diana′s Klage

Noch um ihren Hippolyt?

Hin und wieder sanft gezogen

Schwebt Mnemosyne dahin,

An des alten Tibris Wogen,

Mit erinn′rungsvollem Sinn;

Ihres Götterbusens Fülle

Schwellt der Thaten Vollerguß;

Und in dieser heil′gen Stille

Schöpfet ewig sie Genuß!



(* 03.06.1765, † 25.05.1835)




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