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Abendphantasie


Süßes Bild,

Schwebst mir vor mit leisem Sehnen!

Klagst mit wehmuthsvollen Thränen,

Tief in Trauerflor verhüllt.

Wonnezeit!

Ach! Umstrahlt von Frühlingsmilde,

Froh in Tempe′s Lichtgefilde,

Lebt′ ich dir, o Zärtlichkeit.

Thränen fließt!

Thauend, wie die kleine Quelle

Rieselnd, perlend, Well′ an Welle

Über Blumen sich ergießt.

Alles schweigt!

Kaum, daß in des Westes Flüstern,

Unterm Schattendach des düstern

Tannenhains, der Halm sich beugt.

Holder Traum!

Fliehe nicht auf Rosenflügeln;

Weile an des Baches Spiegeln,

Suche nicht des Aethers Raum.

Es entschwand! ...

So entfloh vor Psyche′s Kusse

Amor, da mit holdem Gruße

Sie: Geliebter ihn genannt.



(* 03.06.1765, † 25.05.1835)




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