Herr Doktor Hanssen mürrisch steht,
Da tritt zu ihm Herr Janssen:
"Warum so trüb?" ""Das alte Lied!""
Spricht ärgerlich Herr Hanssen.
"Das alte Lied?" ""Ja, freilich doch,
Das Lied vom Buchverleihen —
Auf manche Bände wart′ ich noch,
Seit Jahren zwei und dreien,
Und grade aus der Mitte just
Von meinen besten Banden —
Wie oft schon sann ich übler Lust:
Wer hat das Buch in Händen?""
"Ei", spricht Herr Janssen, der gar klug,
"Mein Hanssen sei doch klüger!
Leg′ an Dir ein Verleihungsbuch,
Dann weißt Du, wo die Bücher."
""Ein Buch? O just, das leiht von mir
Ein andrer schon zum Lesen -
Und all′ ihr Bücherleiher, ihr
Seid dann für mich — gewesen!""
Das Gedicht "Herr Hanssen" stammt von Franz Alfred Muth (* 1839-06-13, † 1890-11-03).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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