Wie liegst du fromm gebreitet,

Du lichter grüner Wald!

Im Gras ein Rehlein weidet,

Der Schlag der Amsel hallt.

Wie oft hab` ich geschwärmet

In dir, du duft`ger Tann,

Und wenn ich mich gehärmet,

Du warst nicht schuld daran.

 

O schau` mit deinen Augen

Mich nicht so innig an;

Laß deinen Duft nur hauchen,

Wie immer du getan;

Laß deine Wipfel wehen,

Die stets von Märchen voll —

Ich muß, ach! weitergehen,

Mein Wald, so lebe wohl!

 

O einsam süße Stunden,

Wo find` ich je euch mehr!

Von Schmerzen und von Wunden

Wie ist die Welt so schwer!

Wo ist des Himmels Auge

So blau und kindesklar,

Wie es bei deinem Hauche,

O Wald, mein lieber, war?

 

Der Wald liegt fromm gebreitet,

Im Grase ruht das Reh;

Wie meine Seele leidet,

Da flüstert`s in mein Weh;

„Ich werde dir schon rauschen,

Wenn wir geschieden sind,

Willst du auf mich nur lauschen,

Mein liebes, liebes Kind!”


Das Gedicht "Abschied vom Walde" stammt von (* 1839-06-13, † 1890-11-03).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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