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Abschied vom Walde


Wie liegst du fromm gebreitet,

Du lichter grüner Wald!

Im Gras ein Rehlein weidet,

Der Schlag der Amsel hallt.

Wie oft hab` ich geschwärmet

In dir, du duft`ger Tann,

Und wenn ich mich gehärmet,

Du warst nicht schuld daran.

 

O schau` mit deinen Augen

Mich nicht so innig an;

Laß deinen Duft nur hauchen,

Wie immer du getan;

Laß deine Wipfel wehen,

Die stets von Märchen voll —

Ich muß, ach! weitergehen,

Mein Wald, so lebe wohl!

 

O einsam süße Stunden,

Wo find` ich je euch mehr!

Von Schmerzen und von Wunden

Wie ist die Welt so schwer!

Wo ist des Himmels Auge

So blau und kindesklar,

Wie es bei deinem Hauche,

O Wald, mein lieber, war?

 

Der Wald liegt fromm gebreitet,

Im Grase ruht das Reh;

Wie meine Seele leidet,

Da flüstert`s in mein Weh;

„Ich werde dir schon rauschen,

Wenn wir geschieden sind,

Willst du auf mich nur lauschen,

Mein liebes, liebes Kind!”



(* 13.06.1839, † 03.11.1890)




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