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Über die Nachtigall


1.

 

Hört der holden Nachtigall

süssen Schall

durch den Busch erschallen:

sie will / durch ein Kling-Gedicht

ihre Pflicht

ihrem Schöpffer zahlen.

 

2.

 

In dem weiß-geschmälzten Zelt

aller Welt

seinen Ruhm sie singet:

dahin zielt ihr Müh′ und Fleiß

daß sein Preiß

hell von ihr erklinget.

 

3.

 

Dir / dir / dir / O höchster Hort

ohne Wort

pfleg′ ich Dank zu geben:

ohne End ist mein Begehr

deine Ehr′

äusserst zu erheben.

 

4.

 

Jede Feder fordert Lob

ist ein Prob

deiner milden Güte.

Gib / so offt ich sie aufschwing

daß erkling

Dank aus dem Gemüte.

 

5.

 

Jedes Würmlein / das ich iss

ist gewiß

deiner Schickung Gabe.

Nimm / Erhalter / vor die Speiß

diesen Preiß

und mich ferner labe!

 

6.

 

Dir sey Lob vor diesen Ast

wo ich rast:

doch nit / dich zu loben.

Nein! dein Ruhm wird für und für

dort und hier

hoch von mir erhoben.

 

7.

 

Du hast / schöne Singerin

meinen Sinn

auch in was ermundert.

Nur von Gottes Gnad sing ich

weil ich mich

ganz in sie verwundert.



(* 07.09.1633, † 10.04.1694)




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