Liebe?

Nein! es war nicht Liebe! es war ein kurzer Sinnen-

taumel nur, der dir das Blut aufstürmte ...

 

Wie heißer Juliwind mit durstigem Kusse die Wellen

aufreißt in den stillen Havelseen, sich satt zu trin-

ken für seinen Weiterflug über den brennenden

Marksand

brachs plötzlich über dich, in deine Stille, durstig,

lechzend ... und drängte deine Hand in mein Haar und

meinen Kopf auf deinen Schoß und empor an deine

Brust und empor, bis ich deinen Atem auf die Stirne

glühen fühlte ... wie der Wind die Wellen

emporküßt ... bis wir Lippe an Lippe hingen ... mit

geschlossenen Augen.

Und dennoch liebtest du mich nicht und deine Seele

war weit weg in der Ferne ...

 

nur dein Mund war mein!

 

O daß ich sie zu mir schmeicheln könnte! daß

deine Seele mein würde! deine weiße ferne Seele mit

all der Wonne ihrer Sonnensehnsucht ...

einen Tag nur,

eine Stunde nur!

daß mein Glück nicht bloß ein Taumel deiner

Sinne ...

daß dich das mir gäbe, was mich selbst zu deinen

Knieen niederwirft in stummer Seligkeit!


Das Gedicht "Sommermittag" stammt von   (1864 - 1920).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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