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Das Wunder im Kornfeld


Der Knecht reitet hinten, der Ritter vorn,

Rings um sie woget das blühende Korn . . .

Und wie Herr Attich herniederschaut,

Da liegt im Weg ein lieblich Kind,

Von Blumen umwölbt, die sind betaut,

Und mit den Locken spielt der Wind.

Da ruft er dem Knecht: »heb auf das Kind!« –

Absteigt der Knecht und langt geschwind:

»»O, welch ein Wunder! – Kommt daher!

Denn ich allein erheb es nicht.«« –

Absteigt der Ritter, es ist zu schwer;

Sie heben es alle beide nicht!

 

»Komm Schäfer!« – sie erhebens nicht!

»Komm Bauer!« – sie erhebens nicht!

Sie riefen jeden der da war,

Und jeder hilft: – sie hebens nicht!

Sie stehn umher, die ganze Schar

Ruft: »Welch ein Wunder, wir hebens nicht!«

 

Und das holdselige Kind beginnt:

»Laßt ruhen mich in Sonn′ und Wind:

Ihr werdet haben ein fruchtbar Jahr,

Daß keine Scheuer den Segen faßt:

Die Reben tropfen von Moste klar,

Die Bäume brechen von ihrer Last!

 

»Hoch wächst das Gras vom Morgentau,

Von Zwillingkälbern hüpft die Au;

Von Milch wird jede Gölte naß,

Hat jeder Arm′ genug im Land.

Auf lange füllt sich jedes Faß!«

So sang das Kind da und – verschwand.



(* 26.05.1799, † 03.02.1853)




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