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Das grüne Thier und der Naturkenner


Die Thadener zu Hanerau sind ausgewitzte Leute:

Wär noch kein Pulver in der Welt, erfänden sie es heute!

Allein, allein

So wird es immer sein:

Was man zum erstenmal ersicht,

Kennt selber auch der Klügste nicht!

Und – wie einmal die Thadner mähn,

Sie einen grünen Frosch ersehn,

So grüne, so grüne!

So grüne war der liebe Frosch und blähte mit dem Kropfe,

Den Thadnern fiel vor Schreck dabei die Mütze von dem Kopfe.

Mit Beinen vier

Ein grünes, grünes Tier!

Das war für sie zu wunderlich,

Zu neu und zu absunderlich!

Da mußte gleich der Schultheiß her,

Sollt sagen, welch ein Tier das wär,

Das grüne, das grüne!

 

Das grüne Tier der Schultheiß sah, als einen Hupf es machte –

Die Thadner wollten schon davon, da sprach der Alte: sachte!

Lauft nicht davon,

Es sitzt und ruhet schon.

Seid still! und ich erklär es bald:

Das Tier kommt aus dem grünen Wald,

Der grüne Wald ist selber grün,

Davon ist auch das Tier so grün,

So grüne, so grüne!

 

So grüne; denn es lebt darin von eitel grünem Laube,

Und – wenn es nicht ein Hirschbock ist, – ists eine Turteltaube!

Da hub der Hauf

Den Schulz mit Schultern auf,

Sie riefen: das ist unser Mann,

Der jeglich Ding erklären kann,

Er kennt und nennt es keck und kühn,

Kein Kreatur ist ihm zu grün,

Zu grüne, zu grüne!



(* 26.05.1799, † 03.02.1853)




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