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Altweibergespräch


Beliebig allegorisch

 

Mutter Anne und Hanne,

Mutter Camille und Sibille,

Frau Murksen, Frau Mucksen,

Frau Drucksen, Frau Luxen,

Die saßen zusammen an einem Tage.

Da begann Frau Murksen mit dieser Klage:

′s ist doch viel Not in der Welt, Mutter Hanne!

– Ja, ja, Frau Murksen, das Bier kost sieben Kreuzer die Kanne!

Und das liebe Geld ist so rar,

Wies noch gar in der Welt nicht war!

Nur dummes Volk hat die Taschen voll,

Und Glück hat niemand, der es haben soll!

– Ja, ja, Frau Hanne, das ist sehr wahr

Und ward mir an mir selber klar.

Mir träumte heut nacht, ich würde zum Peterberge

Geführt von einem kleinen allerliebsten niedlichen Zwerge.

Der sagte: Was fragt Ihr nach roten Dreiern:

Hier sitzt eine goldne Gans auf goldnen Eiern.

Das Peterbild zeigt mit der Hand,

Wo man sie suchen muß im Sand.

Da sah ich, wie das Bild sich neigte

Und mir die Gans im Sande zeigte.

Ich grub sie mit allen Eiern aus

Und trug sie, versteht sich im Traum, nach Haus.

Nun aber erwacht ich wieder

Vom Schlaf und rieb mir die Augenlider,

Stand auf und lief in aller Frühe

Und sucht das Bild mit großer Mühe.

Ich fand es; aber, daß Gott erbarm!

Dem Bilde fehlte der rechte Arm:

Es zeigte nicht mehr! Ich wußte nicht wo

Ich graben sollte und – ließ es so! –

– Ach, sprach Mutter Hanne, das sind ja nur Träume,

Und Träume sind Schäume!

Ich glaube wenig an solche Zwerge;

Auch sitzt die Gans nicht im Peterberge:

Sie sitzt bei Mansfeld versteckt vor der Sonne

Und dicht dabei das Bild von einer Nonne.

Wo das hin sieht, wird die Gans gefunden.

Doch sind dem Bilde die Augen verbunden,

Und keiner merkts wohin es blickt.

Das macht die Leute dort bald verrückt.

Die Binde von Stein läßt sich nicht schieben;

So ist das Finden noch unterblieben. –

– Da sprach Frau Camilla: Was Nonnengesicht!

Die Gans sitzt auch in Mansfeld nicht:

In Farnstedt hat sie gesessen einmal,

Im Nonnenkloster am wüsten Saal:

Da fand sie ein frommer Jesuit,

Der fing sie sich ein und nahm sie mit.

Es war ein Mensch von Sünden rein,

Was wir dermalen all nicht sein! –

– Nun, sprach Frau Drucksen, ich will nicht streiten,

Daß da eine Gans saß vor alten Zeiten:

Dann aber ließ eine neue sich wieder

Um die Kapelle bei Landsberg nieder.

Da sitzt sie noch auf goldnen Eiern,

Wie alle Leute dort beteuern. –

– Jetzt räusperte sich Frau Mucksen und spricht:

O liebe Frau Drucksen, da sitzt sie nicht!

Nach Gibichenstein da führt ein Gang,

Der Gang ist finster und schmählich lang:

Da sitzt sie, aber hinten am Ende!

Und ist keine Gans nicht, es ist eine Ente.

Das sagen in Halle alle Leute;

Ich selber weiß es ja noch wie heute.

Es gingen drei Weiber von Halloren

In dem langen Gange beinah verloren.

Die wollten sie suchen mit einem Lichte,

Allein das bliesen aus die Wichte,

Sie aber tappten im Dunkel nach Hause

Und dankten Gott in der Moritz-Klause

Für die Erlösung aus Angst und Bangen:

Man sieht noch ihre drei Jacken hangen. –

– Da schluckte Frau Luxen hinab ihre Semmel

Und sprach und rückte mit dem Schemmel:

Frau Mucksen hat wohl recht mit der Ente

Und sagts so richtig, als ichs nur könnte;

Doch das mit den Jacken sind nur Mären,

Womit die Halloren die Weiber scheeren.

Auch sitzt die Ente nicht in dem Gange,

Die sitzt wo anders, wer weiß wie lange! –

– Und wo denn wohl? – Sie sitzt gemach

Bei Eisleben, zu Sittichenbach,

Unter dem Deichtenn, im faulen Stocke,

Und brütet auf einem ganzen Schocke

Und, kriecht keins aus, so legt sie in Ruh

Immer wieder ein neues hinzu. –

– Das ärgert endlich Frau Sibille,

Sie schwieg ohnedem zu lange stille:

Frau Luxen, bei meinem Haubenstocke,

Ihr übertreibts mit eurem Schocke!

Der Eier sind dreizehn, nicht mehr, nicht minder,

Wollt ihrs nicht glauben, so fragt die Kinder.

Und die Ente sitzt, das wissen hier alle,

Und schnattert im Gutenberg bei Halle.

– Nun, wißt ihr die Örter, Frau Gevattern,

Wo solche goldne Enten schnattern,

Warum wollt ihr die Eier nicht ergattern?

– Es war schon lange Zeit mein Wille,

Entgegnete Frau Murksen Frau Sibille,

Allein mir fehlts an einem Zwerge,

Der mir wie euch Anweisung gäb im Berge.



(* 26.05.1799, † 03.02.1853)




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