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Am Morgen


Das Morgenrot schwimmt still entlang

Den Wolkenozean;

Den Gliedern zart mit Liebesdrang

Schmiegt sich die Welle an.

Ihm folgt die Sonn′ im Sphärenklang,

Ein roter Flammenkahn;

Ein lindes Rauschen grüßt den Tag:

Ist es ihr Ruderschlag?

 

Und es erwachen mit Gezisch

Die bunten Vögelein;

Sie strecken keck aus dem Gebüsch

Die Köpflein rund und klein

Und tauchen in die Tauluft frisch

Die feinen Glieder ein;

Die Schnäblein üben sie zumal

In Liedern ohne Zahl.

 

Und auch die Blumen senden früh

Den leisen Duft ins Land;

Um ihre Stirnen winden sie

Ein hell Juwelenband.

Das Spinnlein selbst mit großer Müh′

Braucht die geübte Hand;

Es hat sein Netzlein reich gestrickt,

Mit Perlenreihn geschmückt.

 

Ich sinne, wem solch heitres Fest

Mag zubereitet sein,

Und wem zu Liebe läßt sein Nest

Das treue Vögelein.

Da spricht zu mir der linde West

Mit seinem Stimmlein fein:

Bist du denn also hart und blind,

Du töricht Menschenkind?

 

Was gehst du doch so stumm einher,

Wo Alles Jubel singt?

Was wandelst du so arm und leer,

Wo Alles Gabe bringt,

Daß selbst zu Gottes Lob und Ehr′

Vom Aug′ der Erde dringt

Gar manche Träne, daß sie ganz

Davon bedeckt mit Glanz?

 

Er ist es, den so minniglich

Das Lied der Vögel trägt,

Dem mit Gesang so inniglich

Der Baum die Zweige regt,

Für den die Sonne rings um sich

Die Strahlenwimpel schlägt.

All Herz tut sich ihm freudig auf:

Wach auf, wach auf, wach auf!



(* 12.01.1797, † 24.05.1848)




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