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Recept wider böse Weiber


-Eine Romanze-

 

Ein armer Ehegatte,

Der ohne seine Schuld

Die Höll′ auf Erden hatte,

Ward endlich der Geduld

Nach langen Jahren müde,

Und schaffte schnell und klug

Sich vor dem Engel Friede,

Der ihn mit Fäusten schlug.

 

Sein Weib war bitterböse,

Die Tobsucht rief aus ihr,

Bey manchem Zankgetöse:

Ein Leides thu ich mir!

Ja ja, du Weiberhasser,

Du Teufel, der du bist,

Ich springe noch ins Wasser,

Wo es am tiefsten ist.

 

Sie sprachs zu tausendmalen,

Und sprang ins Wasser nie.

Auf neue Männerqualen

Dacht ihre Seele früh,

Sobald der Tag erwachte.

Ihr Dämon, schwarz und klein,

Blies ihr im Traum bey Nachte

Den Stoff zum Zanken ein.

 

Einst fieng beym Abendtische

Ihr Zorn zu donnern an,

Und still, wie stumme Fische,

Blieb ihr geplagter Mann;

Ließ ihrer frechen Zunge

Den Zügel - gab ihr nach,

Bis sie vom Wassersprunge

Mit blauen Lefzen sprach.

 

Da warf der Mann sein Messer

Tief in den Tisch, und riß

Das Weib an ein Gewässer.

Hier, sprach er: Thue dieß

Was du zu thun beschlossen.

Hier springe mir hinab. -

Hier sah sie, furchtbegossen,

Ins grause Wassergrab.

 

Sie hieng an seinen Armen

Und fühlte Todesquaal;

Er aber, ohn Erbarmen,

Er tauchte siebenmal

Sie unter mit dem Kopfe,

Bis sie die Luft verlor:

Und hub sie drauf beym Zopfe

Stark aus der Fluth empor.

 

Das Mittel half geschwinde;

Sie seufzte leichenblaß:

Ach! Männchen, sey gelinde,

Ach! liebes Männchen, laß

Mich diesesmal nur leben,

Und ende meine Pein,

Ich will mich gern bestreben,

Recht lämmerfromm zu seyn.

 

Der Mann ließ sich bedingen,

Das Weib ward zahm gemacht,

Und an kein Wasserspringen

Ward künftig mehr gedacht.

Sie lebten, sanft wie Tauben,

Von keinem Zank gequält,

Und alle Welt wirds glauben

Weil es ein Weib erzählt.



(* 01.12.1722, † 12.10.1791)




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