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An Gleminden, nach einem Ungewitter


Nicht von den Flügeln starker Winde

Heraufgebracht, kam es daher,

Das Ungewitter, o Gleminde!

Es wälzte sich herauf, so fürchterlich, so schwer,

Als wenn in großen Menschenkriegen

Zwei Heere langsam ziehn, itzt an einander stehn,

Und Kugeln durch die Luft mit Feuerflügeln gehn;

So brüllten Donner fort! Die Vögel alle schwiegen,

Die Nachtigallen krochen tief

In dunkler Hecken Laub, und keine Wachtel rief

Der andern zärtlich zu in Furchen, wo der Weizen

Den Mund hatt aufgetan, um Regen einzugeizen.

Dem Schäfer, der im Schatten schlief,

Fuhr Schrecken in das Ohr und in die Brust. Er hörte

Das Brausen in dem Wolkenzug.

Dem Pflüger sank die Hand an seinem schweren Pflug;

Und in der Städte Zimmer störte

Das Wetter Gastmahl, Tanz, und Spiel.

Der Mut zur Übeltat entfiel

Dem Sünder, der sie itzt versteckt begehen wollte;

Denn hohl, und unaufhörlich rollte

Des Donners schreckliche Gewalt.

Dir aber, Freundin, ward das Herz nicht schauerkalt,

Du danktest einem Gott, der groß in Ungewittern

Nach dürrer Luft und dürrer Zeit

Kommt, seinen Erdkreis zu erschüttern,

Hervorzubringen Fruchtbarkeit.



(* 01.12.1722, † 12.10.1791)




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