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An den gefangenen Dicaeus


XI

 

Der Mutter enger Leib hilt erstlich dich gefangen /

Als deine Seele ward in Fleisch und Bein verstrickt;

So bald du dises Licht / das süsse Licht erblickt /

Bist du in neue Band und Kercker eingegangen.

 

Was ist die grosse Welt? ein Blockhauß / da verlangen /

Vnd Angst und schwere Noth mit strengen Fesseln drückt /

Wenn uns der freye Tod / aus disen Ketten rückt/

Denn nimbt die Grufft in Hafft / die gantz erblaßten Wangen.

 

Was ist die Freyheit doch / die nirgend wird gefunden?

Du bist eh’ als du bist / und weil du bist / gebunden;

Du bindest dich selb-selbst in Furcht und Sorgen ein.

 

Doch! wer mit schnellem Geist kan durch die Wolcken rennen /

Vnd Stricke / die Verlust und Hoffnung würckt / zutrennen;

Kan /ob ihn Diamant gleich bünde /freye seyn.



(* 02.10.1616, † 16.07.1664)




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