"Kann je dies Herz dir untreu werden,

"Das dich so zärtlich liebt, so heiss!

"Dann Lindenblätter, fällt zur Erden,

"Und du, geliebter Quell, wird Eis!

 

So raubten Siegmunds süsse Töne

Einst einem Mädchen Glück und Ruh;

Und künstlich heuchelt' er die Thräne

Scheinbarer Redlichkeit hinzu:

 

Dass sie, getäuscht durch seine Blicke,

Und überwältigt vom Gefühl,

Nicht ahnend des Verräthers Tücke,

Ihm sorglos in die Arme fiel.

 

Kaum aber war sein Flehn erhöret,

Und für die Treu, die er verhiess,

Vom guten Kind' ihm Treu gewähret:

Als er die Arme schon verliess.

 

Er floh: sie weint': er kam nicht wieder.

Leichtsinnig brach er Pflicht und Schwur,

Liess sich auf fremden Fluren nieder,

Und spottet' ihrer Thränen nur.

 

Bestürzt schlich sie hianus zur Quelle,

Wo sie sonst freudig sich beschaut.

Erinnrung schwebt um diese Stelle,

Drum seufzt das gute Mädchen laut:

 

"Ach, Gott! er hat nicht falsch geschworen,

"Ich hab ihm nur zu leicht geglaubt!

"Denn alle Quellen sind gefroren,

"Und alle Bäume sind entlaubt.


Das Gedicht "Schwur und Glaube" stammt von   (1768 - 1839).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte