Die Zeit zerstört und baut Paläste,

Streut bunte Blumen auf die Flur:

Verschlingt des Nachruhms Ueberreste,

Und lässt dem Enkel keine Spur:

 

Mit unersättlichem Behagen

Nagt sie am Denkmal mancher Gruft;

Zwar mildert sie des Unmuths Klagen

Durch sie zerfliesst der Gram in Luft.

 

Oft nährt, oft löschet sie die Flamme,

Die Leidenschaft im Busen birg't;

Oft untergräbt sie schlau am Damme

Womit Vernunft entgegen wirkt.

 

Sie kann, was Menschen selten können,

Sie setzet Schranken jedem Schmerz,

Vereint oft, was die Menschen trennen,

Giesst Balsam in das wunde Herz.

 

Zwar wieget sie die stärksten Triebe

In Schlummer ein, nach Sturm und Braus;

Doch die Erinnrung Erster Liebe

Tilgt selbst die Ewigkeit nicht aus! –


Das Gedicht "Die Zeit" stammt von   (1768 - 1839).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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