Ein berühmter Held im Fressen,

Den das Schlemmen aufgeschwellt,

Hatt′ einmal zum Abendessen

Sich den größten Stör bestellt.

Dieser ward sehr bald bezwungen:

Nur das Kopfstück blieb ihm nach,

Das er noch nicht halb verschlungen,

Als vom Krampf sein Magen brach.

 

Jeder Garkoch wird betrübet:

Mancher holt den Arzt herbei,

Der sogleich die Antwort gibet,

Daß der Bruch unheilbar sei.

Alle Hoffnung ist verschwunden;

Man verkündigt ihm den Schluß,

Daß er in sehr wenig Stunden

Unvermeidlich sterben muß.

 

Soll die Zunge schon erkalten,

Die so vieles nicht geschmeckt?

Freunde, bin ich zu erhalten?

Oder werd′ ich nur erschreckt?

Doch, ist euer Wort untrüglich,

Steht des Arztes Ausspruch fest:

Ach so reicht mir unverzüglich

Meines Fischchens Ueberrest.


Das Gedicht "Der Fresser" stammt von (* 1708-04-23, † 1754-10-28).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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