Ein kriegerisches Pferd, die Lust der Ritterschaft,

War würdig seiner Zucht, und freudig, voller Kraft,

War gleich an Muth und Kunst, an Dauer und Vermögen,

Zog aus, und wieherte Geharnischten entgegen,

Und spottete der Furcht. Es hatt′ aus Feld und Schlacht,

Und Wettlauf und Turnier stets Ehre heimgebracht.

Kopf, Schenkel, Farb′ und Huf war schön an ihm zu nennen;

Doch zog sein zweiter Herr, beim ersten Ringelrennen,

Ihm Hans, den Klepper, vor. Sogar der Sattelknecht

Belacht des Junkers Wahl, und heißt sie ungerecht.

Ein alter Reiter sieht′s, und seufzt, daß, auch in Pferden,

Verdienste schlecht erkannt, und nicht vergolten werden.

Der Junker bricht den Hals. Es kömmt das Pferd zuletzt

In eines Fürsten Stall, der es nach Würden schätzt.

Der Alte hört′s, und lacht, und spricht: Man darf nur leben:

Verdiensten muß die Zeit Recht und Belohnung geben.


Das Gedicht "Das Ritterpferd und der Klepper" stammt von (* 1708-04-23, † 1754-10-28).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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