Aesop bewies zu seiner Zeit

Die schwerste Kunst in unsern Tagen,

Die Kunst, die Narren zu ertragen,

Die Zunft, die immer sich verneut.

Ein Bube, den nichts fröhlich machte,

Als was er für recht neckisch hielt,

Warf einen Stein auf ihn, und lachte,

Daß er so meisterlich gezielt.

 

Der Weise sprach: Wer so viel kann,

Der muß auch baaren Dank erlangen.

Du wirst von Reichen mehr empfangen,

Von mir nimm diesen Stater an.

Dort seh′ ich einen Kaufmann gehen,

Des reichen Chremes stolzen Sohn:

An dem laß deine Künste sehen,

Von dem erwarte deinen Lohn.

 

Ihm folgt der Thor mit schneller Hand.

Er wirft, er trifft, er wird ergriffen,

Und, von dem Pöbel ausgepfiffen,

Dem Kerkermeister zugesandt.

Ob er dafür ans Kreuz gekommen,

Wie Phädrus schreibt: das weiß ich nicht.

Dies wissen ich und viele Frommen:

Ein Narr ist auch ein Bösewicht.


Das Gedicht "Aesopus und der Muthwillige" stammt von (* 1708-04-23, † 1754-10-28).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte