Was lärmt denn da vor meiner Hütten

Noch für ein ungebetner Gast?

Er legt sich eben nicht auf' s Bitten,

Er pocht und schellt mit wilder Hast.

 

Das ist die Reue, die schon lange

Mit Geistertritt das Haus umkreist

Und endlich nun am Glockenstrange,

Am Klopfer ungeduldig reißt.

 

Da steht sie mit dem todesblassen

Gesicht, die welke Hand am Knauf,

Und schickt mir fordernd einen grassen,

Verstörten, kranken Blick herauf.

 

Wer könnte Geister zwingen, binden?

Dich sperrt nicht Menschenkraft hinaus!

Tritt ein, du wirft Gesellschaft finden,

Es sind der Larven mehr im Haus.

 

Ich hab's geahnt, so könnt' es werden,

Als ich erbat den ersten Kuß,

Ich hab's geahnt, weil stets auf Erden

Mit Leid die Freude schließen muß.

 

Ich hab's geahnt, als ich ihr Treue

Mit raunendem Gewissen schwor;

Auf Treue reimt zu gut die Reue,

Schon klang der Endreim mir im Ohr.

 

Der Wildbach, der hinauszuschießen

In's weite Land noch schäumt und braust,

Er soll die Hütte nicht umfließen,

Den stillen Hag, wo Friede haust.

 

Ich weiß ein Auge, mit dem reinen

Herzblick hat es mir oft gelacht,

Es wird mir lebenslang erscheinen

Sternhell in dunkler Mitternacht.

 

So lauter fließt aus tiefster Quelle

Sein unvergeßlich klares Licht –:

Ich weiß, es trübten diese Helle

Auch all die heißen Thränen nicht.

 

Mild wird es mir in's Innre blicken,

Kein Vorwurf wird zu lesen sein,

Ich aber werde Vorwurf pflücken

Aus diesem offnen Himmelsschein.


Das Gedicht "Ein Gast" stammt von   (1807 - 1887).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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