Rücksichten sind′s, die unsern Blick berücken;

In Absicht jede Aussicht gleich erkalten,

Bis wir, eh′ wir uns umgesehn, veralten,

Und beugen dann, von Einsicht schwer, den Rücken.

Roh scheint′s, der Erde Blumen grade pflücken.

Wir möchten fein der Schonung Linie halten,

Der Liebe Leben künstlich klug verwalten,

Verständig und mit Anstand uns erdrücken.

Wir sollen unbekannte Größen wählen,

Es sind zu wenig Gleichungen gegeben,

Drum hatt′ und hat′s ein sonderbar Bewendnis;

Denn, weil wir endlos rechnen, zweifeln, zählen,

Wird uns das klare, leichte, freie Leben

Ein einzig vielverschlungen Mißverständnis.

 

Tapfer verhalte dich stets; so ist dein das beste Verhältnis,

Kannst du gelassen es sehn, wie sich verwickelt das Volk.


Das Gedicht "Die Verhältnisse" stammt von   (1772 - 1829).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte