Lebendgem Worte bin ich gut:

Das springt heran so wohlgemut,

das grüßt mit artigem Geschick,

hat Blut in sich, kann herzhaft schnauben,

kriecht dann zum Ohre selbst dem Tauben

und ringelt sich und flattert jetzt

und was es tut, das Wort ergötzt.

Doch bleibt das Wort ein zartes Wesen,

bald krank und aber bald genesen.

Willst ihm sein kleines Leben lassen,

mußt du es leicht und zierlich fassen,

nicht plump betasten und bedrücken,

es stirbt oft schon an bösen Blicken -

und liegt dann da, so ungestalt,

so seelenlos, so arm und kalt,

sein kleiner Leichnam arg verwandelt,

von Tod und Sterben mißgehandelt.

Ein totes Wort - ein häßlich Ding,

ein klapperdürres Kling-Kling-Kling.

Pfui allen häßlichen Gewerben,

an denen Wort und Wörter sterben.


Das Gedicht "Das Wort" stammt von   (1844 - 1900).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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